![]() ![]() Meinen ersten Kontakt zur Schrift hatte ich im Jahr 1950, als mich der Beruf eines technischen Zeichners wählte. Die DIN-Normschrift war der Leitstern am technischen Himmel und sie lehrte mich Disziplin, Ausdauer und Genauigkeit, weil sie damals ausschliesslich von Hand geschrieben wurde. |
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![]() Das es auch noch andere Schriften gab, merkte ich viel später. Langsam stockte ich mein Repertoir an Schriften auf mit der UNZIALIS, der humanistischen Kursiven, mit Pinselschriften und als Besonderheit die als typographische Letter schreibbargemachte Zapfino. Neue Alphabete präge ich mir möglichst schnell ein, damit mir beim Schreiben die Spontanität nicht verloren geht. |
![]() ![]() Eine der schönsten Schriften ist die Kapitalis Monumentalis ( ANTIQUA ). Sie ist und bleibt die Königin aller Schriften, zum Schreiben ist sie aber sehr anspruchsvoll. |
![]() Eigentlich wäre die ANTIQUA die perfekte Basis für einen kalligraphischen Anfänger, sofern diese sich etwas in Geduld üben würden und sich nicht an den ach so schönen Zierschriften überfordern. |
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![]() Sprüche und Lebensweisheiten zu schreiben von all den bekannten Herren wie Goethe, Schiller, Konfuzius, Khalil Gibran, Gotthelf, Balzli und Keller, davon hatte ich bald einmal genug. Eigene Texte sind ehrlicher ( Frohe Fresstage ! ) , machen mehr Freude, dürfen sogar stuben-un-rein, spöttisch und ironisch sein. |
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![]() Immer wieder versuchen namhafte Kalligraphen die unsichtbare und berühmte letzte Grenze zu überschreiten. Da ich keine Ahnung habe wo ich diese Grenze finde, bleibe ich beim ganz einfachen Spiel mit Buchstaben ! |
![]() Ohne Spontanität und ohne das Wissen wie Buchstaben aufgebaut sind, entstehen keine solchen Bilder. Aber auch sehr einfache Schreibwerkzeuge ergeben interessante Bilder. Nachfolgendes Bild entstand mit einem schwarzen 0,1mm Filzschreiber. Die kleinen Zwischenräume sind mit beliebiger Farbe zu füllen. |
![]() Faszinierend sind auch die Zwischenräume von Buchstaben resp. Wörtern. Zwischenräume sind mindestens so wichtig wie der Buchstabe selbst. Oft genug werden Zwischenräume sträflich vernachlässigt. |
![]() Auch nur Teile von Buchstaben können zu spannenden Bildern führen. Ob der Text lesbar bleiben soll, entscheidet nur der Schreiber. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein Risiko einzugehen, frei von allen bisherigen Vorschriften. |
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Alle meine Kalligraphielehrer sind mir sicher dankbar, dass ich sie mit meinen Arbeiten nicht in den Wahnsinn getrieben habe : Willi Grüness CH; Andrè Gürtler CH; Andreas Schenk CH; Herbert Maring D; Erich Hock D; Jean Larcher F; Martina Schmidt CH; Katharina Pieper D; Steven Skaggs USA; Peter Thornton GB; Karlgeorg Hoefer D ( 1914 - 2000 ); Gottfried Pott D; Jovica Veliovica; Roland Nyffeler CH ENDE |
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Das
Attribut „Künstler“ ist eigentlich für mich ein Gräuel. Das riecht
so schrecklich nach Retorte, niemand weiss heute genau was das Wort
bedeutet und ich muss zugeben ich weiss es auch nicht ( mehr ). Früher
waren es arme Teufel (das soll heute keine Bedingung sein ), die
nur für ihre Arbeit lebten und litten. Einige bekamen ein Essen ( ? ) für
ein Bild, das heute für Millionen ersteigert
Politik finde im Vorzimmer der Prostituition statt, sagte der französische Die
„moderne“ Kalligraphie sollte sich vom
eigentlichen Schönschreiben befreien. Befreien kannst du dich aber
nur von etwas was du vorher erlernt hast und wichtiger, wenn du dich davon
befreien willst! Unter den Karikaturisten ist der Kameltest eine beliebte
Uebung. Die kalligraphische Version besteht darin, die beiden Buchstaben A
und a in mindestens zwanzig Varianten zu schreiben. Wenn
du dich dabei fragst: „Darf me das ?“, wenn du fragst : „Heissts öppis
?“, dann solltest du die Finger vom
experimentellen Schreiben
lassen. |
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Um
mit dieser Schrift zu experimentieren braucht es innere
Freiheit und den Mut sich dieser Freiheit zu bedienen und zu stellen.
Nun nimm einen dicken
Filzschreiber und schreibe ein abc gleich welcher Art, nur nicht zu gross.
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| Wenn
die Sache so aussieht bewegst du dich auf falschem Pfad. Buchstaben dürfen
ineinander verflochten werden, sie dürfen übereinander geschrieben
werden, also etwa so wie das nachfolgende Bild. |
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Experimentelles
Schreiben hat nichts zu tun mit Schmieren und fast nichts mit
Zufall. Mit einer Idee an ein neues Bild heran zutreten bedeutet kämpfen,
ändern, wegwerfen und neu beginnen und vielleicht hast du das Glück ein
Bild genau nach deiner Vorstellung zu beenden. Mit einer eigenen Idee an
ein neues Bild heran zutreten ist besser als um Inspiration zu beten. Was
war zuerst da, das Zündhölzchen oder die Idee ? Viele
Schreiber ( ich auch ) möchten sich gerne mit expressiver Kalligraphie
befassen. Expressiv ( lat. ausdrucksvoll ) arbeiten bedeutet, sich während
einer bestimmten Stimmung ( z.B. fröhlich, sinnlich,
melancholisch ) mit Kunst befassen. Diese Stimmung sollte dann im
Betrachter die gleichen Gefühle auslösen wie sie der Kunstschaffende während
der Arbeit hatte. Dies ist ein sehr schwieriges Unterfangen und auch
grosse Malermeister haben sich daran schwer getan. Ob der Expressionismus
in der Kalligraphie Platz hat, wage ich zu bezweifeln, aber ich lasse mich
gerne überraschen. Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Nütze deine neue Freiheit auf dem Papier, schreibe einmal mit geschlossenen Augen fünfzig Mal deinen Vornamen auf ein Papier, schreibe einmal nur mit der linken Hand. Du wirst überrascht sein was dabei entsteht. Suche nach neuen Werkzeugen, schreibe einmal mit einem Tannzapfen, oder nur mit dem Finger, nimm ein Grasbüschel oder ein Büschel kleine Vogelfedern, das tönt auch recht erfolgversprechend. Auf deinem Schreibweg wünsche ich die viel Erfolg und vergiss nie Erfolg wird ohne „h“ geschrieben ! Ganz herzlich, Hugo Schärer |